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Sonderprojekte - Projekte, die in kein Raster passen

Auch nach Beendigung seines Auftrages als Treuhänderischer Sanierungsträger des Landes Berlin begreift sich der Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Ausnahme & Regel, als stadtweit tätiger Problemlöser für unterschiedlichste Gruppen des Wohnungsmarktes, Träger der Jugend und Sozialhilfe, sozio-kulturellen Gruppen auf Grundstücken und in Objekten. Nach wie vor passen die Projekte dieser Zielgruppen in kein Raster, weder in die bestehende Förderlandschaft der Verwaltungen noch in einen bestimmten Haushaltstitel der Fachressorts.

Die Bandbreite reicht vom Umbau einer ehemaligen Montagehalle zu einer Kultur- und Mehrzweckhalle im Rahmen eines Selbsthilfeprojekts, über die Entwicklung eines ehemaligen Zwangsarbeiterlagers zur Gedenk- und Begegnungsstätte, bis zur Sanierung eines multifunktionalen Gebäudes (Jugendzentrum, Stadtbibliothek, Schwimmhalle, Veranstaltungssäle, Gaststätte, Bowlingbahn) im Berliner Bezirk Marzahn Hellersdorf in enger Kooperation mit der GSE gGmbH, der Abt. Jugend des Bezirksamtes sowie der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Für einige der aufgeführten Adressen bedeutet dies auch Nutzungs- und damit verbundene Finanzierungsmöglichkeiten im Rahmen einer Projektentwicklung zu kreieren.

Angesichts der Haushaltssituation Berlins gewinnt die Bewirtschaftung der von Trägern und anderen Gruppen genutzten öffentlichen Gebäude ohne laufende Bezuschussung ein immer größeres Gewicht. Das Kooperationsmodell „Ausnahme & Regel plus GSE“, bei dem neben der gemeinsamen Projektentwicklung der Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Ausnahme & Regel, die Sanierung und Substanzsicherung organisiert und durchführt, die GSE gGmbH die Objekte nach wohnungswirtschaftlichen Kriterien bewirtschaftet, hat über das Pilotprojekt Kulturhaus Schöneberg in der Kyffhäuserstr. 23 hinaus das interkulturelle Haus in der Schönfließer Str. 7 in Prenzlauer Berg und das ehemalige Schulgebäude in der Schwedter Str. in Mitte für eine Künstlergruppe eine breite Akzeptanz gefunden. Mehrere  Objekte in verschiedenen Bezirken sind hinzugekommen.

Als neuestes dieser Kopperationsprojekte ist das ehemalige Kreiskulturhaus (KKH) Peter Edel in der Berliner Alle 123 in Berlin Pankow, Ortsteil Weißensee zu nennen. Der Saal dieses Hauses wurde Anfang des letzten Jahrhunderts als Teil einer Brauerei errichtet. In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg erhielt es einen Anbau, der ebenso Platz für die Verwaltung des KKH als auch Platz für künstlerische Werkstätten und eine Galerie bot. Der Bezirk beschloss vor einigen Jahren aufgrund der bestehenden Haushaltsnotlage, sich von dem Gebäude zu trennen. Eine erste Ausschreibung hatte zum Ergebnis, dass ein Investor das Gebäude erwerben und entwickeln wollte. Nach eingehender Prüfung schien das Vorhaben aber nicht lukrativ genug, so dass eine erneute Ausschreibung erfolgte.

Die Teilnahme des Geschäftsbereichs Stadtentwicklung in Kooperation mit der GSE gGmbH und der staatlich anerkannten Berliner Schule für Schauspiel an der Interessenbekundung führte Ende des Jahres 2007 zu einer positiven Entscheidung des für Kultur zuständigen Stadtrates und der Bezirksverordnetenversammlung.

Perspektivisch wird die GSE gGmbH mit dem Bezirksamt einen Erbbaurechtsvertrag schließen, der Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Ausnahme & Regel, die Projektsteuerung der Bauphase übernehmen und die Berliner Schule für Schauspiel auf der Grundlage eines langfristigen Vertrages einen neuen Schulstandort erhalten. Der Saal des Gebäudes wird nicht nur für die Ausbildung der Schauspieler genutzt werden, sondern auch für Aktivitäten aus dem Quartier zur Verfügung stehen sowie Kultur für die Bevölkerung anbieten.

Ein weiteres Sonderprojekt, dass einen hohen Stellenwert in der Berliner Gedenkstättenlandschaft hat sowie eine einmalige Nutzungsmischung vorweisen kann ist das im Bezirk Berlin Mitte, Ortsteil Mitte gelegene Gebäude Rosenthaler Straße 39. Das Haus ist eines der wenigen noch nicht sanierten Gebäude in der Umgebung des Hackeschen Marktes in der Spandauer Vorstadt. Es beherbergt eine einzigartige Mischung von Gedenken, Kunst, Kultur und Jugendarbeit. Es steht unter Denkmalschutz. Ursprünglich in jüdischem Eigentum befindlich wurde das Haus in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts arisiert. In den Jahren des Krieges nutzte Otto Weidt Teile des Hauses als Bürstenwerkstatt, in der er zahlreiche jüdische Zwangsarbeiter beschäftigte und sie damit vor der Deportation und den Folgen bewahrte.
Die bewegte Geschichte des Hauses fand mit dem Ende des 2. Weltkrieges nicht ihr Ende. Der Arisierung folgte der Übergang in Volkseigentum, die Nutzung von Teilen des Gebäudes durch den Verband der Film- und Fernsehschaffenden der DDR und, kurz vor der Wende, 1989, wurde der Ort von Frau Inge Deutschkron, eine der jüdischen Arbeiterinnen der Blindenwerkstatt Otto Weidt „wiederentdeckt“, in fast demselben Zustand, in dem sie Ende des Krieges das Haus verlassen hatte. Kurz nach der Wende gründete sie mit Gleichgesinnten einen Förderverein mit dem Ziel, hier ein Museum in Gedenken an Otto Weidt zu errichten.

Der bewegten Geschichte kann im Haus nachgegangen werden: Mittlerweile ist das Museum eine Außenstelle der Gedenkstätte Deutscher Widerstand (GDM), nach dem es vorübergehend dem Jüdischen Museum Berlin zugeordnet war. Auszüge aus der Geschichte dieses Ortes sind nachzulesen in der Beschreibung der Denkmaldatenbank des Landes Berlin

Im Laufe der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts entdeckten Künstler/-innen das Haus, waren in der Lage das Gebäude von der Erbengemeinschaft anzumieten und mit viel Engagement und wenig finanziellen Mitteln den weiteren Verfall aufzuhalten. Sie gründeten den Verein Schwarzenberg e.V., richteten eine vereinseigene Galerie ein, vermieteten Räume zur Nutzung als Kino, ebenso wie an die deutsche Außenstelle der niederländischen Anne-Frank-Stiftung, kurz sie füllten das Haus mit Leben. Gemeinsam mit Frau Deutschkron begeisterten sie den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau für diesen Ort. Dessen Engagement kann nicht hoch genug bewertet werden kann, da die Zukunft dieser einzigartigen Nutzungsmischung in den Jahren 2002/2003 alles andere als sicher war.

Die weltweit verstreuten Erben der ehemaligen Hauseigentümer konnten sich nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen: die Versteigerung des Hauses und die Aufteilung des Erlöses. Dies hätte das Ende dieser einzigartigen Verbindung von Geschichte, Kunst, Kultur und Jugendarbeit mit sich gebracht. Gemeinsam gelang es den Mieter/-innen das zu verhindern. Durch das finanzielle Engagement des Bundes und des Landes Berlin wurde die Wohnungsbaugesellschaft Mitte mbH (WBM) in die Lage versetzt, das Haus zu ersteigern und vorerst dessen Zukunft zu sichern.

Kurz nach der Ersteigerung des Hauses schloss der Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Ausnahme & Regel, mit der WBM einen Vertrag über die Erstellung eines Finanzierungs- und eines Sanierungskonzeptes sowie über die anschließende Instandsetzung unter Übernahme der Bauherrenfunktion für die WBM.

Erste Instandsetzungsarbeiten konnten vorgenommen werden. Für den öffentlich geförderten Umbau der Ausstellungsflächen der Anne-Frank-Stiftung und der Ausstellungs- und Büroflächen des Museums Blindenwerkstatt Otto Weidt übernahm der Geschäftsbereich die Projektsteuerung und die Funktion des Bauherren.

Die straßenseitige Fassade wurde in enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Denkmalschutzbehörde instandgesetzt. Ende des Jahres 2007 wurde eine zusätzlich Dauerausstellung der GDW mit dem Titel „Stille Helden“ eröffnet. Auch hier übernahm der Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Ausnahme & Regel, die Projektsteuerung und die Funktion des Bauherren.

Die weitere Sanierung des Hauses ist jetzt absehbar. Für einen ersten Bauabschnitt, die Sanierung der Dächer, konnten Mittel aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung akquiriert werden. Diese erste größere Baumaßnahme wird im Jahr 2009 beginnen.


Ansprechpartner:

Jürgen Lindner
Fon: 030.49300129

Sabine Benkwitz
Fon: 030.49300124

Jenny Meissner
Fon: 030.49300121