GB Stadtentwicklung, Ausnahme & Regel | Stadtumbau/Nachbesserungen von Großsiedlungen
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Stadtumbau/Nachbesserungen von Großsiedlungen

Der Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Ausnahme & Regel, koordinierte in der Zeit von 1990 bis 2006 Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes von Großsiedlungen. Nachdem 1998 mehrere Gebietsbeauftragungen beendet wurden, lag der Schwerpunkt danach auf einzelnen Maßnahmen zur Entwicklung des Gemeinbedarfes und des öffentlichen Raumes im Bezirk Lichtenberg, zuletzt im Ortsteil Neu-Hohenschönhausen.

Dabei kamen Arbeitsansätze zum Tragen, die im Zusammenhang mit einer Reihe von Gebietsaufträgen zur städtebaulichen und sozialen Weiterentwicklung von Großsiedlungen in den vergangenen Jahren entwickelt wurden. Sie gehen über die üblichen Sozialplanverfahren hinaus und verknüpfen insbesondere bauliche Maßnahmen mit partizipativen und sozialen Prozessen.

Im Rahmen des Wettbewerbs Stadtumbau Ost wurde in Kooperation mit Städtebauern und Freiflächenplanern das „Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept“ für Friedrichsfelde in Lichtenberg erarbeitet. Die Konzepterstellung erfolgte unter intensiver Einbindung von Bezirksvertretern und Bürgern/-innen. Ziel war ein umsetzungsorientiertes Konsenspapier und kein „schöner Plan für die Schublade“.

Zur Verdeutlichung der Arbeitsansätze in Großsiedlungen wird im Folgenden ein exemplarischer Rückblick auf die 14-jährige Tätigkeit in der Siedlung Neu-Hohenschönhausen gegeben. Als Gebietsbeauftragter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und als Bauherr für Maßnahmen der sozialen und öffentlichen Infrastruktur hatten wir bis zum Jahr 2006 aktiv Anteil am Programm zur Wohnumfeldverbesserung und zum Stadtumbau von Neu-Hohenschönhausen.
Die Aufgaben waren:
die Koordination der beteiligten Stellen im Bezirksamt, der Wohnungsunternehmen und von Experten,
die Beteiligung der Bewohner/-innen bzw. einzelner Zielgruppen an den Planungen zur Weiterentwicklung der Siedlung und an den sie betreffenden Baumaßnahmen im Wohnumfeld,
die Entwicklung und Durchführung eigener Baumaßnahmen im Bereich der sozialen und öffentlichen Infrastruktur,
die Verknüpfung der Bauprojekte mit beschäftigungswirksamen Maßnahmen (ABM, Hilfe zur Arbeit, BSI usw.)

Die Besonderheit des SPI-Verfahrens zur Bewohnerbeteiligung liegt in der Verknüpfung von baulichen Maßnahmen und sozialem Prozess. Beteiligung bedarf der Abstimmung von grundsätzlichen Zielen und Rahmenbedingungen durch die verantwortlichen Entscheidungsträger. Das geschieht auf der Ebene der Koordination durch die Einrichtung einer verfahrensbegleitenden und -steuernden Lenkungsrunde. Der SPI-Lenkungsrunde Neu- Hohenschönhausen haben angehört: die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, das Bezirksamt, die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE, die Wohnungsbaugenossenschaften „Neues Berlin“ und „Humboldt-Universität“ sowie verschiedene beauftragte Experten/-innen.

Neben der Beteiligung der Bewohner/-innen an den wohnumfeldverbessernden Maßnahmen der Wohnungswirtschaft wurden 17 eigene, größere und kleinere Baumaßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur der Großsiedlung entwickelt und organisiert. Bewohner/-innen und soziale Zielgruppen wurden in unterschiedlicher Intensität daran beteiligt. Das Spektrum der Beteiligung reichte vom „Mitplanen" über das „Mitbauen" bis hin zum „Mitverfügen".
Es entstanden zwei neugebaute Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen, drei städtische Plätze, sieben Grünanlagen zumeist mit integrierten Spielbereichen, eine Spiel- und Freizeitanlage, drei neu gestaltete Schulhöfe sowie einige kleinteilige Ergänzungen von vorhandenen Grünanlagen und Jugendeinrichtungen. Insgesamt wurden über 6 Millionen Euro Fördergelder über den Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Ausnahme & Regel, in Neu-Hohenschönhausen umgesetzt.

Aus dem ungleichgewichtigen Aufbau der Alterspyramide und der Abwanderung großer Bevölkerungsteile ergaben sich gravierende Anpassungsprobleme im Bereich der sozialen Infrastruktur. Eine große Zahl von Kindertagesstätten, später auch von Grundschulgebäuden, verwaiste und konnte nur teilweise neuen Nutzungen zugeführt werden. Abgesehen von einer flächendeckenden Versorgung mit Kitas und Grundschulen hinkte die öffentliche und soziale Infrastruktur dem Bedarf hinterher. Zur schnellen Abhilfe wurden zu Beginn des Wohnumfeldprogramms Spielbereiche und Treffpunkte für Kinder und Jugendliche geschaffen. Das war zu dieser Zeit ein besonderer Schwerpunkt auch der Baumaßnahmen des Geschäftsbereichs Stadtentwicklung.

Die Bedarfe entwickelten sich Ende der 90er Jahre einhergehend mit Verschiebungen in der Altersstruktur der Bevölkerung hin zu Entmischung der Wohnumfeldnutzungen. Spiel- und Freizeitanlagen wurden an den Rand der Wohngebiete verlegt, die Wohnhöfe nach und nach beruhigt.

Nachdem die Versorgung mit Spiel- und Freizeitanlagen sowie die Neugestaltung der Wohnhöfe weitgehend geleistet waren, traten die Defizite im öffentlichen Raum Neu- Hohenschönhausens umso deutlicher zu Tage. Neben funktionalen Mängeln, wie z. B. fehlenden Gehwegverbindungen zwischen benachbarten Wohnkarrees, sind ästhetische Mängel in der Gestaltung des Stadtbildes zu nennen. Hinzu kam die Verwahrlosung des Stadtbildes auf Grund des wachsenden Leerstandes von Kita- und Grundschulgebäuden, zu dessen Aufwertung im Rahmen der Wohnumfeldgestaltung zahlreiche Stadtplätze entstanden. Damit wurden räumliche Orientierungs- und Identifikationspunkte für die Bewohner geschaffen. Ein großer Vorzug von Neu-Hohenschönhausen ist die Lage am Rande des offenen Landschaftsraumes des Barnim. Auch der Innenraum der Siedlung ist stark geprägt von Pfuhlen, Restbeständen der alten Kulturlandschaft und einigen Naturschutz- bzw. Landschaftsschutzgebieten mit Biotopfunktion.

Bei einigen der im Rahmen der Wohnumfeldverbesserung gestalten Grünanlagen kam es darauf an, deren Funktion als Spiel- und Erholungsraum im Einklang mit den ökologischen Erfordernissen zu entwickeln. Dabei kam es auf eine partnerschaftliche Entwicklung mit Akteuren aus dem Bereich des Umwelt- und Naturschutzes, auch umweltpädagogische Konzepte - wie z. B. Pflanzenlehrpfade – an. Der Erhalt der Fauna und Flora ist nicht nur eine bauliche, sondern auch eine soziale Aufgabe.

Die Grünanlagen erfüllen auch wichtige Verbindungsfunktionen. An vielen Stellen Neu- Hohenschönhausens fehlten Fuß- und Radwege. Über Wohnumfeldmaßnahmen konnten Lücken des Siedlungsbaus geschlossen, öffentliche Räume miteinander verbunden und unansehnliche Brachflächen aufgewertet werden.

In zwei Fällen organisierte der Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Ausnahme & Regel den Abriss leerstehender Kitas bzw. Schulen, um grüne Nachnutzungen zu schaffen.

Er engagiert sich darüber hinaus im Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V. Dieser gemeinnützige Verein mit Sitz Berlin, versteht sich als Netzwerk verschiedenster Professionen und Transferstelle für die reichhaltigen Erfahrungen bei der Revitalisierung und Aufwertung von Großsiedlungen, speziell im Ostteil der Stadt. Es entwickeln sich daraus zunehmend Arbeitskontakte zu Partnern in Mittel- und Osteuropa. Nach einer Phase der Konzentration auf innerstädtische Quartiere innerhalb der Stadtentwicklungspolitik geraten die Großsiedlungen erneut in den Fokus der öffentlichen Diskussion. Die belegbaren Veränderungen in der Sozialstruktur und entsprechend negative Tendenzen in Teilräumen lassen Handlungsbedarfe in verschiedenen Politikfeldern erwarten.


Ansprechpartner:
Jürgen Berger
Fon: 030.49300116

Jeanne Grabner
Fon: 030.49300123